Früchte in unserer Kulturlandschaft

Apfelhaufen

Wo bleiben die Früchte, haben diese keinen Samen, pflanzen diese sich nicht fort. Doch sie tun es und dies ist gratis.

 

Früchte in unserer Kulturlandschaft

http://mundraub.org

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Gesundheitswesen in Deutschland

Dr. RothJa, es gibt sie wieder, die Armenkliniken in Deutschland. Das Gesundheitssystem ist an die Wand gefahren worden. Ein herausragendes Beispiel, hier eine Wende ohne den massiven Druck von Kassen und Ärztekammer hin zu bekommen und detailliertes Insiderwissen liefert Dr. Roth aus Ulm. Schön, daß es solche Ärzte „noch“ gibt. [mehr…]

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Das Archiv, das Profane und Google

Kulturökonomie des Neuen

Groys betrachtet die Wirkung von Kunstwerken und Theorien vor dem Hintergrund einer Werthierarchie. Diese gliedern die Welt in ein kulturelles Archiv und einen profanen Raum. Das Archiv sei das materialisierte Gedächtnis einer Gesellschaft, in dem die als wertvoll erachteten Kulturgüter aufbewahrt werden. Groys nennt als Beispiele Bibliotheken, Museen und Filmotheken.[1]

„Den Bereich, der aus all den Dingen besteht, die von den Archiven nicht erfaßt sind, kann man als den profanen Raum bezeichnen.“

Groys, Über das Neue., S. 56

Steht ein neues Kunstwerk oder eine neuartige Theorie im Verdacht, kulturell wertvoll zu sein, findet nach Groys ein Vergleich zwischen Archiv und profanem Raum statt, wobei das Neue entweder dem Profanen oder dem Archiv zugeordnet wird. Eine Innovation sei demnach die Überwindung der Wertgrenze zwischen diesen beiden Bereichen im Zuge einer „Umwertung der Werte“, wobei sich Groys auf Friedrich Nietzsche bezieht.[2] Kunstwerke und Theorien bezögen ihre Wirkung also aus der Spannung zwischen Wertebenen. Auch technische Innovationen lassen sich mit Groys nach dieser Logik bestimmen.[3]

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Generation Gesamtkunstwerk

BücherEin Tondokument von Konstantin Sakkas aus dem Jahre 2012 über die 30-Jährigen von 2012. Produziert wurde das Ganze über den SWF.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Imaginäre und das Spiegelstadium

Das Imaginäre und das Spiegelstadium

Blick in den Spiegel: Caravaggios „Narziss“

Die Theorie des Spiegelstadiums (Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion, in: Schriften I, S. 61–70) zählt zu Lacans berühmtesten Konzeptionen. Sie geht auf Beobachtungen des Psychologen James Mark Baldwin zurück.

Nach Lacan beginnt das Kind in der Zeit zwischen dem 6. und dem 18. Lebensmonat, wenn man es vor einen Spiegel hält, sich selbst in ihm zu erkennen und zu identifizieren, worauf es mit einer „jubilatorischen Geste“ reagiert. Mit einem deutschen Begriff nennt Lacan diesen wichtigen Einschnitt ein Aha-Erlebnis. Von nun an verändert sich der Blick auf das eigene Selbst, ja er wird jetzt überhaupt erst möglich: aus dem in „Partialobjekte“ „zerstückelten“ Blick auf sich aus der Leib-Perspektive wird nun ein Blick von außen, der das Kind erstmals vollständig zeigt. Die jubilatorische Geste ist deshalb auch eine narzisstische Geste der Allmachtsphantasie, in der sich ein „Größenselbst“ („Ideal-Ich“) zeigt, das fortan zur Matrix wird, auf die das Subjekt sein Ich orientiert. Das Spiegelstadium geht darum mit der psychischen Geburt des Ichs einher.

Zugleich aber ist das Spiegelstadium der Beginn einer Entfremdung. Denn im Spiegel sieht das Kind eine körperliche Einheit, die es selbst noch gar nicht fühlt. Es identifiziert sich mit etwas, das es nicht ist, nämlich mit der „totalen Form des Körpers“, und zwar an einem Ort, an dem es sich nicht befindet (nämlich im Spiegel). Deshalb ist das Erkennen im Spiegel zugleich ein imaginäres Verkennen und führt zur Spaltung des Subjekts in „moi“ (Ideal-Ich, das „imaginäre Subjekt“) und „je“, das soziale Ich. Daraus folgt der im Deutschen paradox klingende Satz: „Das ich ist nicht das Ich.“ – „Le je n’est pas le moi.“

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Meyerson, das Land und seine Reisen

Meyerson veränderte sich nach seinem großen finanziellen Disaster, seine Miete für ein lichtdurchflutetes Appartement auf 2 Ebenen mit Dachterasse war mittlerweile nicht mehr bezahlbar; ja, er konnte nun eine 10%ige Investorenrendite, die sein Vermieter auf seinen Mitzins kalkuliert hatte, nicht mehr zahlen, er löste seinen Wohnsitz auf. Er zog in das Landesinnere, ja er zog auf das Land aus dem in früheren Zeiten viele geflüchtet waren, um in der Stadt zu leben. Er entschied sich absolut gegen den Mainstream; Leute mit Geld gehen in die Zentren der Städte. Er bewohnte nun zu zweit ein Haus auf dem Land, etwas verfallen, ein Fachwerkhaus, ein ehemaliges Prunkstück des 18.Jahrhunderts. Die Miete betrug inklusive Nebenkosten nicht einmal den Preis der Nebenkosten seines ehemaligen Domizils. Rendite war hier für den Vermieter auf Grund der Nachfrage keine Option mehr, es ging um’s erhalten und überleben. Aktionäre und Vorstände brauchten hier nicht mehr bezahlt zu werden.

Wollbrechtshausen-web

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Meyerson auf dem Land

Ja, Meyerson ist jetzt in seiner Krise von Berlin auf das Land gezogen. Viele Veränderungen haben sich ergeben. Glücklicherweise hatte ein Freund schon ein Gewächshaus mit Paprika und Salat und im Garten ein Anbau mit Tomaten, Radischen und Wein organisiert. Meyerson konnte sich also im Existenzkampf etwas zurücknehmen, beim Einkauf im Supermarkt mit weniger Druck wegen der jetzt nicht mehr existenten Großstadmiete einfacher konsumieren, und er konnte durch das jetzt frei gesetzte Potential an Zeit etwas gelassener an einer gemeinsamen Zukunft tätig beitragen.

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Meyerson’s Broterwerb

Meyerson hatte nie einen Kurs in Betriebswirtschaftslehre erhalten, er hatte dennoch immensen Spaß mit seiner Firma an Leistung und Produkterstellung. Er hatte schon viele Produkte erfunden oder besser gesagt alte Wünsche reanimiert, da im Prinzip die nützlichen Produkte in Endlosschleife immer wieder an Ort und Zeit angepasst, durch entsprechende Produktionstechniken in neue Lebenszyklen gerufen werden. Das Produkt, verpasst mit seinem Zeitdesign und ein dem Jahrhundert entsprechenden technischem Upgrade, voilà, der Zauber ist da.

In frühen Jahren fuhr Meyeron schwerelos mit seiner Freundin in einem VW Bus durch Europa und besuchte Festivals. Vorher hatte er Lebensmittel eingekauft, ein paar Getränke und Obst. Damit fuhr er dann auf die Gelände der noch freien, spontanen „Umsonst und Draußen“ Festivals. Es trafen sich einfach Leute, die sich treffen wollten. Die Veranstalter fragten ihn bei Ankunft auf ihrem Gelände was er denn dort wolle. Auf die Antwort, Meyerson hätte Lebensmittel und Getränke, sagten sie: Super, fahrt rein und versorgt die Leute. Und Meyerson machte zusammen mit seiner Freundin abends ein Lagerfeuer, sie bereiteten Speis und Trank, musizierten und diskutierten. Der freiwillig entrichtete Obulus der Leute bescherten Meyerson und seiner Freundin ein Auskommen. Sie konnten ihre Miete, ihr Essen und ihre kulturellen Eintrittsgelder gegenleisten.

Was Meyerson in jener Zeit genoss, er arbeitete selbstständig und selbstbestimmt und hatte Erfolg. Der Erfolg maß sich für ihn gemäß der Formel Lebenshaltungskosten = Leistung = Lohn = Miete + Essen + kulturelle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Meyerson hatte keinerlei Interesse Eigentum zu erarbeiten, da ihn dies wegen der immensen Zinsbelatungen durch die finanzierenden Hilfe-Dienstleister zu Preiserhöhungen seiner Produkte gezwungen hätte.

Ein großes Glück für Meyerson war aber auf jeden Fall zu jener Zeit, daß es noch nicht so viele Menschen gab, die an Meyersons Aktivitäten mitverdienen wollten, sei es durch gewerblich entstehende Veranstalter, die jetzt hohe Standmieten auf Festivals einforderten oder geforderte Versicherungspflichten etablierter Kammern, welche auf einmal ihre Zuständigkeit für Meyerson erkannten, oder Zertifikationsphantasien BWL studierter Möchtegernteilhaber, welche klugerweise neue Geschäftsfelder haben wachsen sehen. Die kreativen Modelle der Zertifikationsaussteller, welch ein Geschäft. Jeder wollte auf einmal mitverdienen, jeder an der erbrachten Leistung von Meyerson seinen prozentualen Anteil. Das konnte nicht gut gehen.

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Meyersons Großeltern

 

Die Dinge geben mir Stimmung

Die Dinge geben mir Stimmung — picture by Meyerson

 

Meyerson hatte in früher Jugend Walden von Henry David Thoreau gelesen. Es hat ihn begeistert. Viele Jahre später fand er das gleiche Buch des amerikanischen Freidenkers und Lebenskünstlers im Fundus seiner Großeltern. Dies war eine große Freude für Meyerson.

Hier ein Auszug aus dem Buch von Henry David Thoreau, * 12. Juli 1817 in Concord, † 6. Mai 1862:

 

Ich muß mich zuweilen darüber verwundern, daß wir so leichtfertig sein können, uns über die rohe, aber doch uns fernliegende Form der Versklavung, genannt Neger-Sklaverei, aufzuhalten, wo es doch so viele scharfsinnige und durchtriebene Meister gibt, sowohl den Norden wie den Süden zu versklaven. Einen Aufseher aus dem Süden über sich zu haben, ist hart; einen aus dem Norden über sich zu wissen, ist schlimmer; das schlimmste aber ist, sein eigener Sklaventreiber zu sein. Da redet man von etwas Göttlichem im Menschen! Seht den Fuhrmann auf der Landstraße bei Tag und bei Nacht zu Markte fahren! Was regt sich Göttliches in ihm? Er kennt keine höhere Pflicht als die, seine Pferde zu füttern und zu tränken! Was ist ihm sein Schicksal, im Vergleich mit dem Erlös aus seiner Heufracht! Fährt er nicht im Auftrag von Herrn Tu-dich-um? Inwiefern ist er göttlich oder unsterblich? Wie er sich bückt und umherschleicht, den ganzen Tag wie in einer unbestimmten Angst, nicht göttlich oder unsterblich, sondern der Sklave und der Gefangene seiner Meinung von sich selbst, des Abbilds seiner Taten!

 

Thoreau war ein Freigeist und arbeitete zeitweise als Dorfschullehrer, Feldmesser, Bleistiftmacher (sein Vater hatte eine solche Manufaktur), Gärtner usw. Er hatte sich ausgerechnet, daß er nur 6 Wochen im Jahr als Lohnempfänger arbeiten müsse, wenn er bescheiden in eigener Hütte und mit eigenem Garten leben könnte. Er bekam ein Haus an einem See von Ralph Waldo Emerson, wo er seine umfangreichen Tagebücher schrieb und seine Forschungen betrieb. Mahatma Gandhi hatte bei seinen Gefängnisaufhalten auch immer ein Buch von Thoreau dabei, nämlich „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“. Er konnte hier für seine Konzepte Massenboykotte, Protestmärsche und Steuerverweigerung Ideen sammeln und er verteilte dieses Buch auch gerne unter seinen Anhängern.

Thoreau schrieb:

 

Ich wollte ungebunden leben und nur den wesentlichen Dingen des Lebens gegenüberstehen; sehen, ob ich nicht lernen könnte, was ich zu lehren hatte – nicht daß ich in der Todesstunde erkennen müßte, daß ich nie gelebt hätte.

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Meyerson’s Niedergang und Aufstieg

 

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Texte der Welt — picture by Meyerson

 

 

Ja, es war dieser Mai 2013. Meyerson hatte nun endlich seinen Niedergang realisiert und Konsequenzen gezogen. Bisher war es eigentlich bei ihm immer bergauf gegangen. Seinem frühen jugendlichen Protest treu geblieben sich bestimmten Funktionen und Bedürfnissen dieser Gesellschaft nicht kompatibel zu ergeben, hat er sich von seinen frühen Hilfsjobs über eine kreative Selbstständigkeit seinen Lebensunterhalt ganz gut erarbeiten können. Die Relation Arbeitseinsatz-Entlohnung stimmte noch. Er konnte sich in Berlin Kreuzberg ein Loft mit Dachterasse in einem Kulturdenkmal einer alten Brauerei aus der vorletzten Jahrhundertwende leisten. Dies natürlich nur zur Miete (1300,- € warm), aber er fühlte sich hier wohl. Hier war nun seine Heimat.

 

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Schmiedehof vor der Invasion der Aktienverweigerer

 

Kreuzberg, früher gemieden von Leuten mit Geld, weil es ja so weit ab von aller Zentrierung irgendwelcher Gelüste gewesen war und es noch den Aktienmarkt gegeben hat, wo man erfolgreich zocken konnte, war die Domaine der Kreativen. – Und Kreative wollen kein Geld verdienen, sie wollen Bewegung installieren, für sich Selbst und alle anderen. Deswegen war Meyerson auch 1992 nach Berlin gegangen. Er hatte viele Jahre im Prenzlauer Berg in einer Fabriketage gelebt. 160 qm für 2,- € den Quadratmeter. Hier gab es noch Einschusslöcher vom letzten Krieg aber Kampe konnte in seiner Etage Wände einreißen oder auch neu bauen. Er konnte hier arbeiten und frei leben ohne 45% seines Einkommens an Miete zu zahlen. Die Miete wurde dann im Prenzlauer Berg unvergleichsmäßig erhöht, um eigentlich die Mieter heraus zu bekommen. 2003 sind die Etagen nach der Renovierung verkauft worden. Einmal an Wolfgang Joop und einmal an Tom Tykwer. Ja, hier konnte Meyerson nicht mithalten. 2013 wird schon wieder verkauft. Die dritte Etage, hier hatten zu seiner Zeit noch Tischler gearbeitet (Berlin war berühmt für seinen Mix von Gewerbe und Wohnen), hier wurden zahlreiche Partys gefeiert. Nun wird die Etage zu einem Preis von 990.000 € angeboten. Ich frage mich, welche Art von Mensch zieht hier ein und wie alleine ist jemand, der so viel Geld hat?

 

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Kastanienalle nach der Modernisierung

 

Meyerson allemal zog schon 2003 wieder nach Kreuzberg. Hier zahlte er für das Objekt seiner Begierde nun zwar 8,- € den Quadratmeter, sündhaft teuer in Berlin zur damaligen Zeit, aber er hatte sich in die alte Bausubstanz der Brauerei verliebt und er verdiente mit seiner eigenen Arbeit den Mitzins. Er war auf der Gewinner Seite. Aber es kam dann das Jahr 2013. Finanzielle Einnahmensverluste, die Auswüchse der allgemeinen Krise seit 2008, ließen Meyerson die Miete nicht mehr leisten können. Eigentlich war er immer besser und effizienter in seiner Arbeit geworden, er hatte mehr Ausstoß an Ideen und erarbeitete sich auch immer bessere Vertriebsstrukturen, trotz alledem, die Forderungen Dritter, sei es Finanzamt, Krankenkasse, betriebliche Versicherungen oder die Verteuerungen von Rohstoffen, von Hardware, von Providern, es war nicht mehr tragbar. Es war zuviel. Die Forderung der Eigentümer seiner Wohnung, diese über seine Miete in 20 Jahren zu finanzieren, war nicht mehr erfüllbar.

Die Miete war 43,- € am Tag. Für diesen Preis kann man mit http://airbnb.com in aller Welt schöne Unterkünfte buchen. Also entschloss Meyerson sich auf die Reise zu gehen. Diese Reise soll nun in Beiträgen auf dieser Site in lockeren Abständen verfolgt werden.

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